Bestens vernetzt bis zu Orbáns Lobbyistin – und doch oft unter dem Radar: Die rechtsextreme EinProzent-Bewegung.

Anlässlich einer aktuellen Recherche der ZEIT zu einigen Finanzquellen dieser Bewegung (Zeit-Podcast https://www.youtube.com/watch?v=wNIbytgrRJ8 ) möchte ich in einem Beitrag zusammenfassen, was mir bisher zu diesem Netzwerk, das sich „Patriotismus“ auf die Fahnen schreibt und 2015 gegründet wurde, und auch zu dessen Hauptakteur Philip Stein auffiel. Dies geht bereits einige Jahre zurück:
Erstmals wurde ich auf dieses Netzwerk aufmerksam, als es im Kontext einer Veranstaltung von Max Otte auf dem Hambacher Schloss in Neustadt an der Weinstraße einen Stand hatte am Eingang zum Schloss, das war am 05.05.2018. Ottes Versuche, seitdem die Hambach-Idee zu vereinnahmen und zu einem „Neuen Hambacher Fest“ umzudrehen, sind längst bekannt und ein Thema für sich, über das vielfach berichtet wurde.
Das Logo dieser Bewegung (oranges Karo mit weißem und schwarzem Punkt in der Mitte) war am Stand präsent – darüber konnte ich aus Distanz herausfinden, um wen/ um was genau es sich handelte. (Logo s. auch Abbildung unten)

Im Mai/ Juni 2018 erstellte und hielt ich innerhalb eines geförderten Projekts einen Vortrag zu Gruppierungen im rechtsradikalen/ rechtsextremen Spektrum; es wurde deutlich, dass viele noch nie von solchen Akteursgruppen gehört hatten.
Die Mehrheit der Zivilgesellschaft hatte damals zum Beispiel auch keine Kenntnis vom Agiern/ Agitiern der Identitären. Ich bin seit Jahren der Ansicht, dass die ganze Wucht des manipulativen und logistisch breit aufgestellten langjährigen Angriffs aus solchen Gruppierungen in der allgemeinen Bevölkerung viel zu wenig bekannt und bewusst war, was sich stets neu bestätigte.  
Öffentlich war von der Präsenz dieser Gruppe am Schlosseingang im Mai 2018 damals im Nachhinein ansonsten nirgends zu lesen. Obwohl es einige Berichte gab und auch die Standpräsenz ein wichtiges Indiz war für die eigentliche „Ausrichtung“ der Veranstaltung von Max Otte, der sich ja gern als „schlicht konservativ und bürgerlich kritisch“ verharmloste.
Der letzte Satz eines Spiegel-Artikels, der die Nähe zwischen Otte und AfD durchaus benannte, lautete „Und beim ‚Neuen Hambacher Fest‘ ist die IB ja auch nicht dabei.“
https://www.spiegel.de/spiegel/neues-hambacher-fest-wie-sich-die-afd-die-deutsche-geschichte-zurechtbiegt-a-1204211.html
Möglicherweise war die IB wirklich nicht dabei, zumindest vielleicht nicht erkennbar. Die EinProzentler allerdings eben schon. Und zwar sehr erkennbar – wie gesagt direkt am Eingang mit Stand! Niemand konnte zu dieser Veranstaltung gelangen, ohne sie zu sehen.
Alle mussten an ihnen vorbei. Ich hatte ihre Positionierung mit eigenen Augen gesehen.
A propos Verharmlosung – die aktuelle ZEIT-Recherche zeigt: Auch frühere NPD-Funktionäre spendeten für EinProzent und arbeiteten für sie, genannt wird als Beispiel Julian Monaco.

Nur wenige Monate später war es dann, dass ich im November 2018 erneut von Philip Stein las. (s. Posting unten)
Und zwar davon, dass er bereits im Juli 2018 offenbar von AfD-Kreisen in Räume des Bundestags eingeladen worden war, um einen Vortrag zu halten über das, was man ebenfalls bis heute spürt:
Nämlich über Strategien, um Demokratieförderprogramme  – von ihm als „links“ geframt – zu schwächen/ zu diskreditieren bzw. ganz abzuschaffen. Warum?
Womöglich, weil sie gegen rechtsextreme Strategien aufklären. : )
Titel seines Vortrags: „Linke Förderstrukturen und der neue Kampf gegen Rechts“ https://www.welt.de/politik/deutschland/article178697524/AfD-laedt-voelkischen-Strategen-in-den-Bundestag-ein.html
Wer begleitete ihn? Neben dem oben genannten Julian Monaco (früher NPD, jetzt EinProzent) auch Michael Schäfer (früher NPD, jetzt EinProzent u. Hydra-Comics, Dresden). Die gesamte Bundestagsfraktion der AfD und deren Mitarbeitende waren eingeladen. Einige davon haben also genau mitbekommen, wer da zugegen war.

Es stellte sich übrigens leider heraus, dass eine nahe Angehörigenperson von wem mit Einblick in das Projekt, in dem ich tätig war, bereits 2018 enge Vernetzungen zu AfD und Identitären hatte – diese Angehörigenperson war (ab wann genau weiß ich nicht) auch im Team eines AfD-Bundestagsabgeordneten aus BW. Weshalb ich mir angesichts der Abfolge der Ereignisse (und weiterer Ereignisse) natürlich Fragen stellte, die empathische Lesende sich sicher denken und auch nachvollziehen können – und deren Erläuterung ich mir an dieser Stelle deshalb spare.

In diesem Frühjahr 2026 kam eine weitere interessante Beobachtung zur Vernetzungen der EinProzent Bewegung bzw. Philip Stein hinzu – als ich mich näher mit den Vernetzungen von Orbáns Vertrauter beschäftigte:
Prof. Dr. Mária Schmidt – Lobbyistin seiner „illiberalen Demokratie“.
Mit Orbáns Demokratieabbau und der Streugefahr seines Modells befasste ich mich ebenfalls seit 12/ 2010 intensiv.
Ich sah im April 2026: Schmidt agierte als Autorin für „jungeuropa“, ein Portal von: Philip Stein.
In meinem Beitrag hier benannte ich diesen Link auch in einem Schaubild. Ein Schaubild, das Schmidts verheerenden Einfluss zeigte, auch zu angesehenen Institutionen, die eigentlich für Aufarbeitung und Demokratieförderung stehen.
https://opus-omi.eu/lobbyistin-der-illiberalen-demokratie-auf-internationalem-parkett-orban-vertraute-und-historikerin-prof-dr-maria-schmidt/
Hier noch einmal mein kleiner Text zu ihrem Link zu jungeuropa.
„Die Historikerin nun, die bereits während seiner ersten Regierungsperiode von 1998-2002 Orbáns Chefberaterin war, agierte bis heute stets geschickt mit ‚Scharnierfunktion‘ zwischen Positionen ‚illiberaler Demokratie‘ und Flirts mit dem Rechtsextremismus; sie war und ist bekannt auf internationalem Wissenschaftsparkett, erhielt Funktionen in Gremien renommierter Initiativen, die sich eigentlich für Europa, gegen Diktaturen und für Demokratie einsetzen, aber agierte eben auch als Autorin für klar rechtsextreme Akteure wie z.B. Philip Stein von der Bewegung ‚1% für unser Land‘ und dessen Portal jungeuropa.  https://www.jungeuropa.de/autoren/maria-schmidt/“
Sie ist bis heute dort als Autorin gelistet.

Bereits 2020 wurde Ein Prozent durch das BfV unter Haldenwang als rechtsextremer Verdachtsfall eingestuft – später hochgestuft.
https://www.spiegel.de/politik/deutschland/verfassungsschutz-rechter-verein-ein-prozent-ist-verdachtsfall-a-1cb6efeb-b7ec-4434-82c0-124a87d19e05 
Natürlich sind die aktuellen ZEIT-Recherchen interessant, zeigen sie doch einmal mehr, wie weit die Verbindungen dieser Bewegung auch in die AfD hinein bestehen; der ZEIT-Podcast nennt z.B. Ulrich Siegmund, der in Sachsen-Anhalt evtl. sogar Ministerpräsident werden könnte, als einen der Spender für die EinProzent Bewegung. Ich bin weiter der Ansicht, dass es viel mehr Aufklärung in der Zivilgesellschaft über solche Netzwerke braucht und möchte weiter dazu beitragen.
Häufig gibt es eine Reaktion, die signalisiert, es wäre manchen einfach zu viel/ zu trist/ zu traurig, sich mit diesen unerfreulichen Dingen zu befassen.
Aber auch hier gilt: Es ist ein Privileg, wenn man sich noch aussuchen kann, ob man sich mit solchen Netzwerken befassen will oder nicht.
Einige haben diese Wahl schon lange nicht mehr. Was ist mit denen?
Und je mehr man ungute Netzwerke ausblendet und nur abwinkt, umso mehr haben sie Möglichkeiten, die Gesellschaft zu unterwandern.
Auch eine allgemeine Solidarität mit jenen, die evtl. ins Visier solcher Netzwerke geraten könnten, z.B. eben weil sie dazu aufklären, wird leider entweder nur sehr selektiv verteilt – und ist oft auch gar nicht vorhanden.
Den Preis dafür zahlen einige zuerst – aber letztlich dann alle!

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